Nicht viele Deutsche, ich glaube, kümmern sich um die italienische Politik, besonders wenn sie sich um die italienische Fußballmannschaft kümmern müssen. Dagegen möchten die Italiener sich nur um ihre Fußballmannschaft kümmern müssen, weil ihr Land mittlerweile zugrunde geht. Seit zwei Monaten haben wir einen neuen Premierminister und schon ist das Land kaum erkennbar, und nicht im guten Sinne. Das Problem der Müllentsorgung in Neapel wird durch ein paar neue Mülldeponien gelöst, die von bewaffneten Soldaten bewacht werden. Nach Italien einzuwandern, weil man im eigenen Land nichts zum essen hat, ist eine Straftat geworden. Statt von erneuerbaren Energien, die die Erde schonen, investieren wir in Atomkraftwerke, in der Hoffnung, dass sie nicht explodieren.
Aber erst jetzt ist die neue Regierung wieder als die Fortsetzung derjenigen erkennbar, die als einzige in der Geschichte der italienischen Republik nicht vorzeitig gefallen ist. Die Sache ist, dass die Justiz in Italien viel zu langsam ist und manchmal Jahre notwendig sind, um in einem Prozess zu einem Urteil zu kommen. Zum Glück hat unserer neue Regierungschef eine Idee gehabt: die Regierung vorbereitet eine Liste der wichtigen Prozesse, die sofort durchgeführt werden müssen, und die anderen können warten. Es ist bestimmt ein Zufall, dass ein Verfahren gegen den Premierminister selbst zu dieser zweiten Kategorie gehört. Eigentlich ist es nichts Wichtiges: es geht nur um Bestechung in einem Prozess. Viel schlimmer ist der Versuch von einigen „roten“ Justizbeamten, ihn zu blamieren, so dass er im Jahre 2013 nicht als Staatspräsident gewählt werden kann. Klar, immer wenn er zuerst eine schöne Reform durchsetzen kann, die Italien zu einer Präsidialrepublik macht.
Straffreiheit des Premierministers und Soldatenpatrouillen auf den Strassen… das ist doch schon irgendwann passiert, oder?
L.O.
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