Northanger Abbey ist anders als die anderen Werke Austens. Der Ton ist leichter und das Thema ist ebenfalls weniger anspruchsvoll. Hier gibt es keine großen moralischen Fragen, wie in Pride and Prejudice, Sense and Sensibility oder Persuasion. Vielmehr gibt es Ironie und einfache Liebe. Die Hauptfigur Catherine Morland ist alles andere als eine Heroine. Obwohl ihr Charakter und ihre Gesinnung im Laufe der ersten Kapitel sich deutlich verbessern, erreicht sie nie die Höhe einer Emma Woodhouse oder einer Elizabeth Bennet. Sie bleibt einfach und natürlich und kann weder die Konventionen der eleganten Gesellschaft noch den wirklichen Wert ihrer Freunde verstehen. Sie vertraut allen und befindet sich deswegen oft in Schwierigkeiten. Ihre Leidenschaft für gotische Romane und das Ausmaß, in dem sie ihre Phantasie beherrschen, zeugen von der Einfachheit ihres Geistes.
Catherine verbringt einige Wochen in Bath als Gast von Mr. und Mrs. Allen, die keine Kinder haben und sich über die Gesellschaft ihrer jungen Freundin freuen. Dort lernt Catherine die Familie Thorpe kennen. Mit Isabella Thorpe schließt sie sofort eine enge Freundschaft und ebenso schnell wird sie die Liebling von dem jungen Mr. Thorpe. Während Catherine die Beziehung zu Isabella sehr hoch schätzt, kann sie bald ihren arroganten und egozentrischen Bruder nicht mehr leiden. Ihre Unduldsamkeit ihm gegenüber verstärkt sich, wenn Catherine den jungen Henry Tilney kennen lernt. Die unverschämte Art und Weise, in der John Thorpe versucht, Catherine von ihrem beliebten Tilney fern zu halten, kann nichts gegen die immer enger werdende Beziehung zwischen Tilneys Schwester, Eleanor, und Catherine. Obwohl Catherine sich sehr freut, dass ihr Bruder James sich mit Isabella Thorpe verlobt hat, kommt ihre wahre Freude von einer Einladung zu Northanger Abbey bei der Familie Tilney. Neben der Möglichkeit, Zeit mit ihrem Henry zu verbringen, ist die reine Tatsache, dass Northanger eine Abbey ist, und nicht ein House, Park oder Mansion, ein Grund der Ekstase für Catherine. Sie stellt sich ein Gebäude vor, das alle Merkmale derjenigen hat, die sie von ihren gotischen Romanen kennt, also geheimnisvoll, gefährlich, baufällig und reich an alten Geschichten. Ihre Enttäuschung bei ihrer Ankunft hindert sie nicht daran, ein vermeintliches Geheimnis in dem Leben von Henrys Vater, General Tilney, und besonders in dem frühen Tod seiner Frau lüften zu wollen. Erst ein Gespräch mit Henry kann Catherine zurück zur Rationalität bringen. Am Ende erweist sich aber, dass General Tilney kein guter Mensch ist, obwohl er doch seine Frau nicht umgebracht hat. Catherine wird von der Abbey ohne Zeremonie und ohne Erklärungen zurückgewiesen. Ein Besuch von Henry Tilney macht alles wieder gut, sogar besser als sie erwartet hatte, und der Roman endet mit der üblichen Hochzeit.
Besonders lustig wird die Figur von John Thorpe, einmal dass man das Ende des Romans kennt, weil Vieles erst durch die Erzählung von Henry dem Leser und Catherine bekannt wird. Man lacht „weiter“, auch wenn man das Buch schon geschlossen hat.
L.O.