Ich war erstaunt, dass meine Freunde in Italien überrascht waren, als ich für die Wahlen am 13.-14. April zurückgekommen bin. Mein Buergersinn hat manche lobende Reaktionen erweckt, zusammen mit den Blicken, die sagen wollten: „ du arme, denkst du wirklich, dass deine Stimme irgendwelchen Unterschied machen wird?“. Mir war es klar geworden, dass ich zu den Wahlen fahren würde, in dem Moment, in dem die Regierung Prodi gefallen ist. Und das nicht nur, weil meiner Meinung nach das eine gute Regierung war, die ihre Amtszeit zu Ende bringen musste, sondern auch wegen der Art und Weise, wie sie gefallen ist. In einer normalen Demokratie, einmal dass eine Regierung gewählt ist, versucht sie, nach eigenen Idealen das Land nach vorne zu bringen. Die extremen Entscheidungen werden von der Opposition verhindert, so dass ein gewisses Gleichgewicht entsteht. Im Hörsaal des italienischen Senats haben ein Paar Mitglieder der damaligen Opposition auf den Untergang der Regierung so reagiert, dass sie eine Flasche Sekt und mehrere Scheiben Mortadella (eine Wurst typisch für die Heimatregion des Premiers Prodi) herausgenommen und in tierischer Weise verzehrt haben. Nach dieser Szene ist mir klar geworden, dass ich unbedingt nach Italien verreisen würde, wenn die Wahlen stattfinden würden.
In kurzer Zeit wird Italien einen neuen Premierminister bekommen. Über ihn wurde so viel gesagt und geschrieben, dass es keinen Sinn macht, hier noch etwas zuzugeben. Wer noch neugierig ist, kann sich als Einleitung zum Phänomen den Film „Il Caimano“ (Regie: Nanni Moretti) anschauen. Das habe ich zwei Tage nach den Wahlen zum ersten Mal getan und habe mich sehr gefreut, nicht mehr in Italien wohnen zu müssen. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass dieses Gefühl von anderen italienischen „Emigranten“ geteilt wird: Die armen Teufel, die hier in dem Register der Italiener im Ausland aufgenommen sind, wurden angeblich von einem Brief des zukünftigen italienischen Premierministers belästigt, der an ihren Heimatstolz appellierte und ihnen den Schutz ihrer Freiheit anbot, um noch ein paar Stimmen zu gewinnen. Die Antworte dazu, die ich gelesen habe, haben meinen Tag deutlich versüßt. Auch die Tatsache, dass es im Ausland klar ist, was für einen Premierminister Italien sich ausgewählt hat, ist beruhigend.
„Dass Berlusconi sich sehr viel Freiheit herausnimmt, das behauptet seit langem der Economist, dessen Europa-Experte John Peet schon nach den ersten Hochrechnungen in einem Interview mit La Repubblica kommentierte: »Wir schreiben seit 15 Jahren, dass Berlusconi ungeeignet ist, Italien zu regieren, wegen des Interessenkonflikts und seiner Probleme mit der Justiz, weil er in jeder anderen westlichen Demokratie nicht präsentierbar wäre«.“ ( NZZ, 17.4.2008 )
Wer doch noch die glorreiche Geschichte meines Landes nicht kennt, kann mit diesem Spielchen von dem Spiegel Online ein bisschen Spaß haben und sich wichtige Kenntnisse über ein Land besorgen, das Mitglied der EU ist und immer noch an dem G8 Gipfel teilnimmt.
L.O.